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Obst- und Gartenbauverein Niederlosheim

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Sommerschnitt von Obstgehölzen

Bei der Formierung strenger Kernobstspaliere ist der Sommerschnitt eine un­entbehrliche und seit alters her durchgeführte Erziehungsmaßnahme. Aber auch bei anderen Erziehungsformen und Obstarten ist der sommerliche Schnitt von großer Bedeutung für Erziehung und Pflege. Durch fachgerecht durchgeführte Schnittmaßnahmen lassen sich sowohl Wuchsleistung, Zustand der Krone, Fruchtbarkeit und Qualität des Erntegutes positiv beeinflussen.

Der Sommer­schnitt stellt im Gegensatz zum Winterschnitt eine Wuchsbremse dar, was sich vor allem bei stark wachsenden Bäumen sehr positiv nutzen lässt. Die Entfer­nung von Trieben verringert die Assimilationsfläche, es werden weniger Stoffe eingelagert, für den Neuaustrieb stehen somit weniger Reservestoffe zur Verfü­gung und er wird insgesamt schwächer ausfallen.

Ein oft unterschätztes Argu­ment für den Sommerschnitt ist die bessere Wundheilung. Während der Vegeta­tionszeit können Gehölze aktiv Wunden abschotten und so das Eindringen von Schaderregern weitgehend unterbinden. Ebenso kann das Kambium sofort be­ginnen die Wundfläche zu überwallen. Wird zur Zeit der Winterruhe geschnitten, so bleiben die Schnittwunden oft über mehrere Wochen als Eintrittspforte für Schaderreger offen.

Kernobst   

Generell muss beim Sommerschnitt der Zeit­punkt des Schnitteingriffes bewusst gewählt werden. Wird früh im Sommer (Juni/Juli) ge­schnitten, kann es zu einem neuen Austrieb kommen, wird aber nach Abschluss des Län­genwachstums und der Knospenausbildung, also etwa Mitte August geschnitten, so wird kein Neuaustrieb angeregt.

Erziehung: Zur Ergänzung eines konsequenten Erziehungsschnittes kann in der Wachstumsphase bereits regulierend eingegriffen werden. Triebe, die man für den weiteren Kronenaufbau nicht benötigt, werden durch das Pinzieren, sprich das Entspitzen der Triebe, in ihrem Wachstum gehemmt. Vor allem Kon­kurrenztriebe zu Stammverlängerung oder Leitästen können auf diese Weise wir­kungsvoll gebremst werden. Dem jungen Baum werden aber trotzdem möglichst viele Blätter zur Assimilation belassen.

Förderung der Blütenbildung: Alleine durch Sommerschnittmaßnahmen kann die Blütenbildung nicht gefördert werden. Entweder der Schnitt erfolgt vor der Ausdifferenzierung der Blütenknospen, dann wird durch den Rückschnitt ein neu-er Austrieb angeregt. Oder der Schnitt erfolgt später, dann sind die Knospen für das kommende Jahr bereits ausgebildet und der Schnitt hat keine Auswirkungen mehr darauf. Mit zu den Sommerpflegearbeiten gehört das Binden oder Spreizen der Triebe. Durch das Herabbinden werden die Zweige "ruhiger", das Wachstum ge­ringer und Blütenknospen können sich bilden. Die Triebe sollten bis Ende Juli auf einen Winkel von etwa 30 Grad herab gebunden werden. Die Blütenknospenbil­dung wird allgemein durch einen guten Ernährungszustand des entsprechenden Triebes gefördert. Die Entfernung überflüssiger senkrecht stehender Triebe führt zu einer verbesserten Licht- und Nährstoffversorgung der verbleibenden und da­mit zu kräftigen Blütenknospen.

Qualität der Früchte: Durch den Sommerschnitt wird das Triebwachstum ge­bremst, wodurch die Beschattung der Früchte verringert und deshalb ihre Ver­dunstung erhöht wird. Calcium, dessen Mangel in der Frucht eine Ursache für Stippe ist, kann so besser in die Frucht gelangen.

Werden die Triebspitzen ent­fernt, an denen ein erhöhter Calciumverbrauch stattfindet, kommt dies auch den Früchten zugute. Durch die günstigere Besonnung der Früchte färben diese auch besser aus. Gut tragende Bäume dürfen aber nicht zu stark geschnitten werden, denn für die Ausfärbung der Schale ist neben der Belichtung auch eine befriedi­gende Versorgung der Früchte mit Nährstoffen notwendig und dazu wird eine ausreichende Blattmasse benötigt. Weitere Folgen eines zu starken Sommer­schnittes können eine verminderte Fruchtgröße und Sonnenbrand an den Früch­ten sein, wenn dieser an sehr sonnigen Tagen durchgeführt wird.

Pflanzenschutz: Neben dem gezielten Abschneiden und Entfernen kranker Pflanzenteile wird durch den Sommerschnitt der Aufbau des Obstgehölzes locker gehalten, die Blätter können rascher abtrocknen, wodurch einer Pilzinfektion, z. B. Mehltau vorgebeugt werden kann. Wie oben bereits erwähnt können Gehölze während der Vegetationszeit besser auf die Schnitteingriffe reagieren und sich aktiv gegen eindringende Schaderreger wehren.

Wasserschosse: Bei starkwüchsigen Bäumen oder als Folge eines starken Rückschnittes kann es auf den Astoberseiten zu senkrecht wachsenden Wasser­schossen kommen, die die Krone sehr stark verdichten. Diese Triebe reißt man am besten Ende Mai bis Juli aus der Rinde aus, denn dadurch entfernt man auch alle schlafenden Augen an der Basis der Triebe, die nach einem Schnitt wieder austreiben würden. Risswunden verheilen besser als Schnittwunden.

Feuerbrand: Beobachtungen in Streuobstanlagen und Hausgärten haben ge­zeigt, dass viele ältere Apfelbäume offensichtlich die Fähigkeit besitzen, stattge­fundene Feuerbrandinfektionen abzuschotten und äußerlich wieder zu gesunden. Diese Regenerationsfähigkeit ist auch abhängig von der Trieblänge der Apfel­bäume. Je kürzer der Neutrieb ist, umso ausgeprägter scheint die Abschottungs- und damit die Regenerationsfähigkeit zu sein. Nachdem Langtriebe besonders anfällig auf Triebinfektionen sind, sind die Obstbäume möglichst "ruhig zu stel­len" und das Triebwachstum zu bremsen. Der übliche Winterschnitt fördert das Triebwachstum, deswegen sollten unerwünschte Neutriebe im Sommer entfernt werden.

 

Süß- und Sauerkirsche:

Der Nacherntetermin ist am besten für Sommer­schnittmaßnahmen geeignet damit die Wunden schnell und gut verheilen sowie die Neigung zu Gummifluss reduziert wird. Gleichzeitig ist Gelegenheit die Bäume zu formieren, in der Höhe zu begrenzen und Licht in die Krone zu bringen. Eine mögliche Arbeitserleichterung ist der Schnitt zur Ernte. Zu hoch stehende, uner­reichbare Äste werden abgeschnitten und am Boden abgeerntet. Bei der Sauer­kirsche wird jährlich nach der Ernte ein Teil der überhängenden Zweige entfernt. Geschnitten wird auf einen vorhandenen Neutrieb an der Basis des alten Triebes.

 Pfirsich und Aprikose:

Ist die Krone oder das Spalier zu dicht, müssen im Sommer Triebe herausgenommen werden. Ein eventuell notwendiger Verjün­gungsschnitt wird ebenfalls am besten nach der Ernte durchgeführt. Hier werden die Seitenäste stark bis ins alte Holz auf einen jungen Trieb zurückgenommen, um einen kräftigen Austrieb zu erzeugen. Pflaume und Zwetschge: Im Sommer beschränkt man sich bis zur Ernte auf das Herausnehmen von zu steil stehenden Neutrieben. Nach der Ernte kann ein starker Verjüngungs- und Auslichtungs­schnitt durchgeführt werden.

 Johannis- und Stachelbeere

Generell ist als Schnitttermin die Zeit direkt zur oder nach der Ernte zu empfeh­len. Zu dicht stehende und für den Aufbau des Strauches nicht benötigte dies­jährige Triebe, die keine Früchte tragen, können bereits einige Wochen vor der Ernte entfernt werden, da so die Besonnung der Früchte und die Bildung neuer Blütenknospen gefördert wird. Schwarze Johannisbeeren entwickeln die schöns­ten Früchte am ein- bis zweijährigen Holz, rote und weiße Sorten zusätzlich noch am dreijährigen. Stachelbeeren fruchten bereits am einjährigen Holz und bevor­zugt an vorjährigen Seitentrieben. Deshalb sollten alle Schnittmaßnahmen darauf ausgerichtet werden, einen möglichst hohen Anteil an jungen, fruchtbaren Trie­ben, sei es als Bodentriebe oder als Seitentriebe, zu erlangen.  

 Sommerhimbeere

Die abgeernteten Ruten werden nach der Ernte direkt über dem Boden abge­schnitten. Das Gleiche geschieht mit schwachen, krummen Neutrieben, sodass insgesamt nur 8-12 kräftige junge Ruten pro laufenden Meter stehen bleiben. Im Herbst können zu lange Ruten auf ca. 2 m eingekürzt werden.

 Brombeere

Die aus den Blattachseln wachsenden Seitentriebe (Geiztriebe) werden auf kurze Zapfen zurück geschnitten. Dies ist im Laufe des Sommers mehrmals zu wieder­holen. Aus den verbleibenden Knospen der eingekürzten Seitentriebe gehen im nächsten Jahr üppige Blütenstände hervor, aus denen sich große, leicht zu pflücken­de Beeren entwickeln. Eine andere Variante ist das einmalige Zurück­schneiden der Seitentriebe im August auf einen kurzen Stummel von ca. 10 cm mit 2 Augen.

 Wein

Ziel der Sommerschnittbehandlung am Rebstock ist es, ausreichend Laub als Blattschmuck und zur Versorgung der Früchte zu belassen, aber auch für genü­gend Licht und Luft im Stock zu sorgen. Ein lockerer Aufbau kann Mehltaubefall vorbeugen. Durch frühzeitiges Ausbrechen der Blindtriebe samt ihrer Basisaugen am alten Holz entstehen praktisch keine Wunden. Es ist vergleichbar mit dem Sommerriss bei Obstbäumen, mit dem ein neuer Austrieb unterbunden wird. Das Ausbrechen hilft vor allem dabei, die Erziehungsform zu erhalten. Nach dem Er­scheinen der Rebblüten bricht man die unfruchtbaren Triebe aus. Die fruchten­den Tragruten entspitzt man nach 4-6 Blättern über dem Blütenstand (Ge­schein). Ein frühes Entspitzen regt zur verstärkten Geiztriebbildung aus den Blattachseln an. Diese Triebe werden später wieder auf 2 Blätter eingekürzt, je­doch nicht ganz entfernt, um eine gut belichtete Blattmasse und damit aus­reichend Assimilationsfläche zu erhalten.

Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Oktober 2008)